Freitag, 10. August 2012

Hello Kitty muss sterben!

"Huch" werden einige angesichts der Überschrift jetzt denken, mögen diese Worte von einem Kitty-Freak wie mir doch etwas befremdlich klingen. Aber ich kann die Welt und meine kawaisüchtigen Leidensgenossinen beruhigen, mit mir ist alles in Ordnung ( und meine Hello Kitty Sammlung wächst ebenfalls stetig weiter ), es handelt sich hier nur um den Titel eines wirklich genialen Buches, welches ich euch heute vorstellen möchte.

Inhalt: Die 28 jährige Fiona Yu, eine amerikanische Firmenanwältin mit chinesischen Wurzeln, fühlt sich gefangen zwischen Tradition, Kultur und Familie. Während ihr Vater sie von einem arrangierten Date zum nächsten schleppt und es für höchste Zeit befindet, dass seine Tochter endlich unter die Haube kommt und einen eigenen Hausstand gründet, hat Fiona so gar kein Interesse an einem langweiligen Leben als brave Ehefrau und Mutter. Zufällig trifft sie Sean wieder, ihren besten Freund aus Schulzeiten, den sie aus den Augen verlor, nachdem er ein Mädchen in Brand gesteckt hatte und ins Jugendgefängnis kam. Nun ist Sean ein erfolgreicher Chirurg und nicht minder erfolgreicher Serienmörder, der Yuppies ins Jenseits befördert. Fiona und Sean lassen ihre Freundschaft von einst wiederaufleben - und haben mörderisches Vergnügen dabei

Angela S. Choi verwendet in ihrem Debütroman Hello Kitty als Symbol für brave, unterdrückte asiatische Frauen, die nur dazu da sind niedlich auszusehen und dem Ehemann am besten still schweigend zu Diensten zu sein. Hello Kitty hat keine Krallen, keinen Mund und keine Zähne um sich zu wehren, alles was sie hat ist ein rosa Schleifchen. Hello Kitty verkörpert alles, was Fiona Yu nicht sein will und auch nicht ist.

Mit Fiona Yu hat Angela S. Choi eine Protagonistin geschaffen, wie ich sie bisher noch nie in einem Buch erlebt habe. Sie ist bitterböse und unglaublich witzig, hat einen beißenden Sarkasmus, der mich mehr als einmal laut auflachen lies und ist zu alledem auch noch wirklich vielschichtig und tiefgründig.  Fiona Yu ist symphathisch und liebenswürdig, hat aber unverkennbar auch eine dunkle Seite in sich und hegt eine gewisse Affinität zu Serienkillern der amerikanischen Geschichte. Sie ist eine Frau, die gefangen ist zwischen dem Amerikanischen Traum und dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der altmodischen chinesischen Kultur und Tradition. Eine Frau, die genau weiß, was sie nicht will aber es trotz ihrer selbstbewussten und frechen Art nicht schafft, sich gegen ihre traditionsbewussten Eltern durchzusetzen. Zumindest bis sie Sean trifft.


"Hello Kitty muss sterben" ist mit Abstand eines der besten Bücher, die ich seit langem gelesen habe! Es ist, wie bereits erwähnt, unglaublich witzig und dabei keinesfalls flach, es ist, wahrscheinlich gerade wegen der überspitzten Story und dem schlichten und konkreten Schreibstil  unglaublich kritisch und lässt einem viel Raum für eigene Gedanken und Interpretationen. Es ist ein Buch, dass sich durch amüsante Dialoge, symphathische und böse Protagonisten und einer Brutalen und Eiskalten Story auszeichnet. Eine Mischung, von der ich nicht gedacht hätte, dass sie so funktionieren kann. Man kann dieses Buch super zwischendurch lesen und sich dabei einfach amüsieren, wenn man ihm aber die Chance lässt bietet es unglaublich viel Stoff zum nachdenken. Und das ist das Schöne daran: Man hat beim Lesen nicht permanent das Gefühl, belehrt zu werden, es gibt keine aufgesetzte oder erzwungen wirkende Mission, den Leser weiter zu bilden, ihn zum Nachdenken anzuregen oder auf bestehende Konflikte aufmerksam zu machen. Es ist dem Leser selbst überlassen, ob er sich mit diesem Buch einfach amüsieren und seine Wartezeit für die U-Bahn/Bus/ Zug/ Spaceshuttle verkürzen möchte oder ob er gewillt ist, sich gedanklich tiefer darauf einzulassen. Wie man sich auch entscheidet, Spaß  hat man mit "Hello Kitty muss sterben" auf jeden Fall!


Kommentare:

  1. Schön hast du es hier, bin gleich mal Leserin geworden und schau jetzt regelmäßig hier rein ;-)
    Freut mich, dass dich das Buch so begeistern konnte.

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  2. Das freut mich und dankeschön :)

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